Parkinson behandeln: Schulmedizin: Medikamente und mehr


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Die wichtigste Behandlungssäule bei Parkinson sind Medikamente der Schulmedizin.

Mit diesen Medikamenten kann man die Parkinson-Beschwerden einigermassen in den Griff bekommen.

Vor allem in den ersten Jahren der Erkrankung ist mithilfe der Parkinson-Medikamente ein weitgehend normales Leben möglich.

Erst nach mehr als sechs Jahren wird die medikamentöse Behandlung der Parkinson-Erkrankung immer schwieriger. Die Wirksamkeit der Mittel lässt allmählich nach und die Nebenwirkungen werden stärker.

Vor allem bei jüngeren Parkinson-Patienten, die mehrere Jahrzehnte mit ihrer Erkrankung leben müssen, kommt in letzter Zeit manchmal die Neurochirurgie zum Einsatz. Mit Hirnschrittmachern kann man auch Parkinson in einer späten Phase erfolgreich behandeln.

Versuche mit Stammzellen scheinen teilweise vielversprechend, die Therapie mit ihnen ist jedoch noch nicht ausgereift.

L-Dopa - Levodopa

L-Dopa ist das bekannteste Parkinson-Medikament.

Es wird gegeben, um den Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen.

Das echte Dopamin kann nicht die Blut-Hirn-Schranke überwinden und darum kann es nicht als Medikament eingenommen werden. Der Wirkstoff würde nämlich nicht das Gehirn erreichen, weil es von der Blut-Hirn-Schranke behindert würde.

L-Dopa ist eine Vorstufe von Dopamin und kann die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Im Gehirn verwandelt sich das L-Dopa in Dopamin und kann dann seine Wirkung entfalten.

Dadurch eignet sich L-Dopa sehr gut zur Behandlung der Parkinson-Erkrankung.

Leider kommt es nach jahrelanger Anwendung von L-Dopa zu immer heftiger werdenden Nebenwirkungen.

Besonders unerwünscht sind die Dyskinesien, das sind überschiessende Bewegungen. Auch starke Schwankungen in der Wirksamkeit (= Fluktuationen) stellen ein häufiges Problem der langjährigen L-Dopa Anwendung dar.

Wegen dieser langfristigen Nebenwirkungen wird L-Dopa bei jungen Parkinson-Patienten erst möglichst spät eingesetzt. Nur bei Patienten, bei denen die Parkinson-Erkrankung erst mit über 70 beginnt, fängt man meistens schon gleich nach der Diagnose mit L-Dopa als Hauptmedikament an.

L-Dopa hat den Nachteil, dass es im Körper relativ schnell umgebaut wird und dann nicht mehr im Gehirn als Dopamin wirksam sein kann. Es gibt einige Substanzen, die den Umbau von L-Dopa verlangsamen, z.B. COMT-Hemmer und Decarboxylase-Hemmer.

Um die Wirksamkeit von L-Dopa zu verbessern, wird L-Dopa im Allgemeinen zusammen mit diesen Substanzen angewendet.

Achtung!
L-Dopa verträgt sich nicht zusammen mit eiweissreicher Nahrung. Die Aminosäuren des Eiweisses gelangen bevorzugt durch die Blut-Hirn-Schranke und verhindern die Aufnahme des L-Dopas ins Gehirn.

Daher darf man L-Dopa nicht direkt vor oder nach eiweissreichen Mahlzeiten einnehmen.

Man sollte L-Dopa immer mindestens eine halbe Stunde vor oder eine Stunde nach eiweissreichen Mahlzeiten einnehmen.

COMT-Hemmer

Bei COMT-Hemmern wird das Enzym Catechol-O-Methyl-Transferase blockiert.

Dieses Enzym verwandelt L-Dopa und Dopamin recht schnell zu unwirksamen Substanzen.

Mithilfe von COMT-Hemmern wird die Wirkungsdauer von L-Dopa verlängert.

Die COMT-Hemmer werden zusammen mit L-Dopa eingenommen.

Es gibt auch Kombipräparate von L-Dopa mit COMT-Hemmern.

Decarboxylase-Hemmer

Durch Decarboxylasehemmer wird das Enzym DOPA-Decarboxylase gehemmt.

DOPA-Decarboxylase baut Dopamin und L-Dopa schnell zu unwirksamen Substanzen ab, was bei der Parkinson-Behandlung sehr unerwünscht ist.

Mithilfe von Decarboxylase-Hemmern kann dieser unerwünschte Umbau verlangsamt werden.

Decarboxylase-Hemmer werden immer zusammen mit L-Dopa angewendet.

Es gibt auch Kombipräparate von L-Dopa mit Decarboxylase-Hemmern.

Dopaminagonisten

Dopaminagonisten sind eine Alternative oder Ergänzung zu L-Dopa.

Dopaminagonisten sind zwar nicht mit Dopamin identisch und bauen sich auch nicht dazu um.

Sie wirken aber sehr ähnlich wie Dopamin und stimulieren die Dopamin-Rezeptoren wie das echte Dopamin.

Daher kann man Dopaminagonisten als Ersatzstoffe anwenden.

Die Dopaminagonisten werden vor allem bei jüngeren Parkinson-Patienten angewendet, um den Einsatz von L-Dopa möglichst lange herauszuzögern.

Bei mittelalten und älteren Patienten werden Dopaminagonisten oft in Kombination mit L-Dopa verwendet.

Apomorphin

Apomorphin ist ein Dopaminagonist mit einer besonders starken Wirkung bei schwersten motorischen Beschwerden (z.B. On-Off-Dystonien).

Apomorphin hat jedoch als Nebenwirkung starkes Erbrechen, es muss also zusammen mit einem Anti-Brechmittel (z.B. Domperidon) angewendet werden.

Anticholinergika

Durch den Dopaminmangel kommt es zu einem relativen Überschuss des Botenstoffes Acetylcholin.

Dieses Ungleichgewicht führt unter anderem zum typischen Zittern bei Parkinson.

Mit Anticholinergika kann man das Acetylcholin so bremsen, dass sich wieder ein relatives Gleichgewicht einstellt.

Anticholinergika werden vorwiegend dann eingesetzt, wenn der Tremor mit anderen Medikamenten nicht in den Griff zu bekommen ist.

Jedoch haben Anticholinergika erhebliche Nebenwirkungen. Unter anderem bewirken sie meistens eine Demenz, sodass der Parkinson-Patient zwar weniger zittert aber stattdessen geistig verwirrt ist.

Daher werden Anticholinergika nur relativ selten eingesetzt.

Mao-B-Hemmer

Das Enzym Mono-amino-Oxidase-B (= Mao-B) fördert den Umbau des Dopamins zu unwirksamen Substanzen.

Mithilfe von Mao-B-Hemmer kann dieser Abbau verzögert werden.

Dadurch steht das Dopamin länger und in grösserer Menge zur Verfügung.

Ausser dieser Wirkung könnten Mao-B-Hemmer eventuell auch eine zellschützende Wirkung auf die Substantia nigra ausüben, sodass die Parkinson-Erkrankung möglicherweise langsamer fortschreitet.

Glutamat-Antagonisten

Bei Parkinson befindet sich durch den Dopamin-Mangel häufig zuviel von dem Botenstoff Glutamat im Gehirn.

Einige Parkinson-Symptome werden durch diesen Glutamat-Überschuss verstärkt.

Zur Hemmung der übermässigen Glutamat-Aktivität gibt es mehrere Medikamente.

Amantadin

Amantadin ist eigentlich ein Mittel zur Grippevorbeugung gewesen.

In den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts stellte man jedoch fest, dass Amantadin auch die Überaktivität von Glutamat hemmen kann.

Dadurch kann Amantadin gegen Parkinson-Beschwerden helfen.

Amantadin hat ausserdem eine förderliche Wirkung auf die Stimmung und die Denkfähigkeit.

Amantadin macht jedoch wach, sodass man es nicht am Abend anwenden sollte.

Neurochirurgie

In fortgeschrittenen Stadien der Parkinson-Erkrankung reichen die Möglichkeiten der medikamentösen Therapie oft nicht mehr aus, um die Beschwerden zufriedenstellend in den Griff zu bekommen.

Dies ist vor allem dann der Fall, wenn die Parkinson-Erkrankung schon früh aufgetreten ist.

In diesen Fällen kann man einen sogenannten Hirnschrittmacher einsetzen, der das Gehirn stimuliert.

Mit solch einem Hirnschrittmacher kann man schwere Bewegungsstörungen, starken Tremor und Dyskinesien (Folge von L-Dopa) relativ erfolgreich lindern.

Für das Einsetzen des Hirnschrittmachers sind jedoch zwei Operationen notwendig, eine davon eine lange und komplizierte Operation am Gehirn.

Stammzell-Therapie

Zur Wiederbelebung der Substantia nigra verspricht man sich viel von einer Therapie mit Stammzellen.

Einige Versuche an Ratten und Affen verliefen auch schon relativ erfolgreich, andere jedoch mit teilweise fatalen Folgen (Tumorbildung).

Eine Studie an Menschen, die 2003 durchgeführt wurde, erbrachte keine überzeugenden Ergebnisse.

Daher wird eine erfolgreiche Stammzelltherapie gegen Parkinson wohl noch eine Weile auf sich warten lassen, wenn es sie jemals geben wird.

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