Parkinson: Kardinalsymptome


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Drei Symptome gelten als Kardinalsymptome der Parkinson-Erkrankung.

Das bedeutet, dass diese Symptome besonders typisch für Parkinson sind.

Mindestens zwei von ihnen treten bei nahezu jedem Parkinson-Kranken auf. Daran wird Parkinson auch erkannt und diagnostiziert.

Diese drei Kardinalsymptome sind:

  • Akinese (Bewegungsarmut, Bewegungslosigkeit - auch Bradykinese = Bewegungsverminderung)
  • Rigor (Muskelverspannungen)
  • Tremor (Zittern)
Im weiteren Verlauf der Parkinson-Erkrankung kommt es meistens auch noch zu einer Haltungsinstabilität (Posturale Instabilität). Die Betroffenen haben dann Schwierigkeiten, sich aufrecht zu halten. Die posturale Instabilität wird häufig als viertes Kardinalsymptom betrachtet.

Bei den meisten Parkinson-Patienten ist eines oder zwei der Kardinalsymptome vorherrschend. So kann es zu recht verschiedenen Krankheitsbildern bei den unterschiedlichen Betroffenen kommen.

Akinese - Bewegungsarmut

Bei der Akinese handelt es sich um Bewegungsarmut. Sie ist häufig das beherrschende Problem bei der Parkinson-Erkrankung.

Nahezu jede Bewegung ist durch die Akinese erschwert. Daher erfolgt die Bewegung langsamer und oft nur unter grossen Mühen.

Besonders schwierig ist der Beginn und das Ende von gezielten Bewegungen.

Die Betroffenen haben beispielsweise Probleme los zu laufen, und wenn sie endlich einmal in Gang gekommen sind, fällt es schwer, wieder zu stoppen. Besonders schlimm ist es häufig vor Engstellen, z.B. Türen. Da kann die Bewegung völlig ins Stocken geraten.

Das eigentliche Gehen findet in kleinen, schlurfenden Schritten statt.

Aufstehen und etwa Heben fallen auch sehr schwer. Man kommt oft kaum aus dem Sessel wieder hoch und auch das Schleppen von Getränkekisten wird zur kaum lösbaren Aufgabe.

Die Akinese äussert sich im Alltag auf mannigfaltige Art und Weise. Sowohl die Grobmotorik als auch die Feinmotorik sind davon betroffen.

Arm schwingt nicht mit

Ein frühes Zeichen für eine Parkinson-Erkrankung ist oft das fehlende Mitschwingen eines Armes beim Gehen.

Einer der Arme bewegt sich beim Gehen nicht mehr mit, sondern wird stattdessen meistens angewinkelt.

Dieses Symptom tritt manchmal schon auf, wenn die Bewegung ansonsten noch nicht erkennbar eingeschränkt ist.

Daher kann man es als Frühsymptom zur zeitigen Erkennung der Erkrankung betrachten.

Häufige Stürze

Durch die Bewegungseinschränkungen ist es schwieriger das Gleichgewicht zu halten.

Daher kann es vermehrt zu Stürzen kommen.

Häufige Stürze treten meistens erst im fortgeschrittenen Parkinson-Stadium auf.

Aber auch am Anfang kann es schon zu unerwarteten Stürzen kommen.

Manchmal markiert ein Sturz und seine Folgen auch den Anfang der erkannten Parkinson-Erkrankung.

Durch den Sturz kommt es zu Stress und infolgedessen zu vermehrten Parkinson-Symptomen.

Bei manchen Betroffenen wird dadurch erstmals das Augenmerk auf Parkinson gelenkt.

Dadurch lässt sich auch erklären, dass manche Betroffenen glauben, ihre Krankheit sei durch einen Sturz ausgelöst worden.

In den meisten Fällen ist dies jedoch nicht der Fall, sondern der Sturz ist nur ein Auslöser dafür, dass man die Erkrankung feststellt.

Umdrehen im Bett

Die erschwerte Beweglichkeit behindert sogar das nächtliche Umdrehen im Bett.

Gesunde Menschen drehen sich jede Nacht viele Male im Schlaf von einer Seite auf die andere ohne dabei aufzuwachen und das Umdrehen zu merken.

Parkinson-Patienten drehen sich nicht mehr so leicht im Bett um.

Häufig wachen sie dabei auf und müssen sich anstrengen, um das Umdrehen von einer auf die andere Seite zu bewerkstelligen. Die Bewegungen zum Umbetten der Gliedmassen müssen mühsam einzeln durchgeführt werden.

In den frühen Phasen der Erkrankung wachen die Betroffenen meistens nur kurz auf, in späteren Phasen unterbleibt das Umdrehen häufig oder wird immer seltener.

Manchmal kommt es auch zu Schlafstörungen, wenn man durch das Umdrehbedürfnis zu sehr aufwacht.

Feinmotorik

Nicht nur die grobmotorische Bewegung ist durch Parkinson eingeschränkt, sondern auch die Feinmotorik.

Die Störungen der Feinmotorik betreffen zahlreiche Tätigkeiten des Alltags.

Daher wirken sich Einschränkungen der Feinmotorik besonders lästig aus. Sie können das Gefühl von einem selbstbestimmten Leben erheblich beeinträchtigen.

Störungen der Feinmotorik wirken sich beispielsweise aus auf die Fähigkeit zum

  • Knöpfe öffnen und schliessen
  • Anziehen
  • Schuhe binden
  • Fleisch schneiden
  • Brot schmieren
  • Flaschen und Schraubgläser öffnen
  • Rasieren
  • Bastelarbeiten ausführen
  • Musikinstrumente spielen
  • Schreiben
  • Tür aufschliessen
  • und vieles mehr...

Schriftveränderungen

Besonders typische feinmotorische Probleme betreffen Änderungen beim Schreiben.

Die Schrift wird häufig erheblich kleiner.

Häufig fängt man einen Satz auch mit normaler Schriftgrösse an und wird dann nach und nach immer kleiner.

Gesichtsausdruck - Mimik - Hypomimie

Im Verlauf der Parkinson-Erkrankung wird auch die Mimik immer starrer.

Die Betroffenen blinzeln seltener und der Mund steht manchmal offen. Die gesamte Feinmotorik des Gesichtsausdrucks lässt nach.

Diese Einschränkung der Mimik wird häufig als "Maskengesicht" bezeichnet.

Durch die geringer werdenden Bewegungen des Gesichtes wirken die Betroffenen teilnahmslos und desinteressiert. Dies wird manchmal sogar als Demenz missinterpretiert, hat jedoch mit geistiger Einschränkung oder fehlenden Gefühlen nichts zu tun.

Sprachveränderungen

In vielen Fällen verändert sich bei Parkinson-Patienten die Sprache.

Die Sprache wird monotoner, häufig auch heiser.

Die Sprachmelodie wirkt weniger moduliert und klangvoll.

Nach und nach wird auch die Artikulation undeutlicher, sodass man die Betroffenen schlechter versteht.

Wegen der Sprachstörungen ist es in vielen Fällen sinvoll, einen Logopäden aufzusuchen und Sprachtraining durchzuführen.

Speichelfluss - Hypersalivation

Bei vielen Parkinson-Kranken scheint der Speichelfluss verstärkt zu sein.

Das sieht jedoch nur so aus, denn in Wirklichkeit ist die Menge des Speichels normal.

Das Schlucken ist erschwert und findet daher seltener statt.

Dadurch bleibt mehr Speichel im Mund, manchmal soviel, dass er hinausfliesst.

Zusammen mit einem starren Gesichtsausdruck und den Sprachstörungen wirkt der Speichelfluss für Aussenstehende häufig wie ein Zeichen von Dememz, dabei ist es nur eine Störung der Schluckbewegung.

Einfrieren - Freezing

Ein häufiges Problem bei Parkinson ist das Einfrieren der Bewegung, manchmal auch "Freezing" genannt. Dieses Freezing tritt meist erst im späteren Stadium von Parkinson auf und auch dann nicht bei allen Betroffenen.

Beim Einfrieren ist es dem Betroffenen vorübergehend unmöglich, sich in Bewegung zu setzen.

Zum Einfrieren kommt es besonders häufig vor Engstellen oder an Ampeln, also gerade dann, wenn man es überhaupt nicht gebrauchen kann.

Die Ampel wird grün, und es gelingt einfach nicht los zu laufen. Wenn man sich dann endlich in Bewegung gesetzt hat, wird es wieder rot und man schafft es nicht rechtzeitig auf die andere Strassenseite.

Auch vor Engstellen, wie Türen oder anderen Arten von Durchgängen, ist das Einfrieren sehr lästig, denn so kann es schnell zu Staus kommen. Der psychische Druck, der dadurch auf dem Betroffenen lastet, erschwert die Situation zusätzlich.

Häufig kommt es auch im Menschengedränge zum Einfrieren. Das entmutigt viele der Betroffenen, sich in die Gesellschaft zahlreicher Menschen zu begeben.

Zum Einfrieren kann es aber auch ohne Engstellen oder Ampeln kommen. Auf freier Strecke ist es unvermittelt nicht möglich, in die gewünschte Richtung zu gehen oder eine andere gewünschte Bewegung auszuführen.

Ein häufiger Auslöser für das Einfrieren kann Stress sein. Bei psychischer Belastung kommt es häufiger zum Einfrieren als in entspannten Situationen.

Meistens löst sich das Einfrieren nach wenigen Sekunden wieder und die gewünschte Bewegung kann durchgeführt werden, oft überhastet und unkontrollierbar schnell.

Akinetische Krise

In seltenen Fällen kommt es bei einer fortgeschrittenen Parkinson-Erkrankung auch zu einem länger andauernden Einfrieren.

Dies nennt man "akinetische Krise". Sie kann Stunden bis hin zu Tagen andauern. Bei einer akinetischen Krise kann sich der Betroffene nicht mehr bewegen. Sogar die Atmung ist eingeschränkt und es kommt schnell zu Flüssigkeitsmangel.

Eine akinetische Krise kann mitunter zum Tod führen, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt werden kann oder in einem sehr fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung geschieht.

Ein Parkinson-Kranker mit akinetischer Krise muss sofort in ein Krankenhaus gebracht werden.

Der Auslöser für eine akinetische Krise kann eine Infektionskrankheit, eine Operation oder eine Unterbrechung in der Medikamentenversorgung sein.

Rigor - erhöhte Muskelspannung

Mit "Rigor" wird die erhöhte Muskelspannung bezeichnet, die bei den meisten Parkinson-Patienten vorliegt.

Der Muskeltonus ist ständig erhöht, es kommt zu Verspannungen und Krämpfen.

Durch die erhöhte Muskelspannung kommt es zu Fehlhaltungen des Körpers.

Diese Fehlhaltungen ergeben ein typisches Bild, an dem man die Parkinson-Erkrankung manchmal schon von weitem sehen kann.

Folgende Haltungsstörungen sind besonders häufig:

  • Schultern nach vorne gezogen
  • Rumpf nach vorne gebeugt
  • Kopf nach vorne gebeugt
  • Ellenbogen leicht gebeugt
  • Fingergrundgelenke gebeugt
  • Knie leicht gebeugt
Die gesamte Haltung ist also etwas gebeugt.

Rückenschmerzen

Die Muskelverkrampfungen und die gekrümmte Haltung führen häufig zu Rückenschmerzen.

Rückenschmerzen können daher auch ein frühes Parkinson-Symptom sein.

Sie sind jedoch zur Erkennung der Krankheit ungeeignet, weil es zahlreiche andere Ursachen für Rückenschmerzen gibt.

Erst im Nachhinein kann man feststellen, dass jahrelange Rückenschmerzen möglicherweise mit einer später festgestellten Parkinson-Erkrankung zusammenhängen könnten.

Auch bei parkinson-bedingten Rückenschmerzen ist es sinnvoll, wenn man die Rücken-Muskeln stärkt und ein rückenfreundliches Leben führt, mit viel Bewegung aber ohne Überforderung des Rückens.

Siehe auch:

Nacken-Schulterschmerzen

Durch die Muskelverkrampfungen und Fehlhaltungen des Schultergürtels kommt es bei Parkinson häufig zu Nackenschmerzen und Schulterschmerzen.

Da diese Beschwerden auch viele andere Ursachen haben können, kann man von ihnen nicht auf Parkinson als Ursache schliessen, wenn keine anderen parkinson-typischen Beschwerden vorliegen.

Zur Linderung der Nacken- und Schulterschmerzen eignen sich muskelstärkende Gymnastik, Massagen und Wärmebehandlungen.

Bleirohr-Rigidität

Die erhöhte Muskelspannung bei Parkinson kann man auch durch passive bewegung feststellen, beispielsweise indem man eine Hand oder einen Fuss anfasst und den Arm beziehungsweise das Bein bewegt.

Bei einigen Parkinson-Patienten besteht gegen die gesamte Bewegung ein realtiv starker Widerstand. Es fällt schwer, das Körperteil zu bewegen, obwohl der Patient keinen aktiven Widerstand leistet.

Wenn der Bewegungs-Widerstand stark ausgeprägt ist, spricht man auch von der Bleirohr-Rigidität, weil es sich anfühlt, als würde man ein Bleirohr verbiegen.

Manchmal wird auch von ein einem wächsernden Widerstand gesprochen.

Zahnrad-Phänomen

Der Widerstand bei der passiven Bewegung ist bei einigen Betroffenen nicht gleichmässig sondern ruckartig.

Die passiven Bewegungen erfolgen dann in kleinen Stufen.

Durch die Art der Bewegung wird diese Art der passiven Bewegung auch Zahnrad-Phänomen genannt.

Tremor - Zittern

Das Zittern (=Tremor) ist das bekannteste Symptom der Parkinson-Erkrankung.

Die meisten Menschen bringen mit Parkinson nur das Zittern in Verbindung.

Das liegt wohl daran, dass die Zitterbewegung vor allem der Hände so auffällig ist.

Dabei leiden gar nicht alle Parkinson-Kranken unter dem Zittern; bei zehn Prozent der Betroffenen tritt es kaum oder gar nicht auf. Bei vielen beginnt das Zittern auch erst im späteren Verlauf der Erkrankung und ist am Anfang nicht feststellbar.

Das Zittern bei Parkinson hat meistens eine Frequenz von 5 bis 7 Hertz, das sind 5 bis 7 Zitterbewegungen pro Sekunde.

Anfänglich ist meistens nur eine Seite vom Tremor betroffen, später kann die zweite Seite hinzu kommen.

Ruhetremor

Bei den meisten Betroffenen besteht ein sogenannter Ruhetremor.

Die Zitterbewegungen finden nur in Ruhe statt.

Sobald man mit der Hand etwas tut, hört der Tremor auf.

Dadurch sind die Aktivtäten der betroffenen Hand nicht eingeschränkt, man kann noch alles tun was man will.

Dennoch ist der Ruhetremor sehr störend, weil er so auffällig ist.

Haltetremor

Bei einigen Betroffenen tritt der Tremor nicht nur in Ruhe auf, sondern auch wenn man etwas festhält.

Solch ein Haltetremor ist im Alltag sehr störend, weil man beispielsweise keine Tasse mehr ruhig halten kann.

Das Ergebnis ist, unter anderem, dass man häufig etwas verschüttet.

Aktionstremor

Bei einigem Aktionstremor tritt das Zittern auch dann auf, wenn man mit der betroffenen Hand aktiv etwas tut.

Dadurch sind alle Aktionen mit der Hand deutlich eingeschränkt.

Nur einige Parkinson-Patienten sind von einem Aktionstremor betroffen.

Meistens besteht ein Aktionstremor zusätzlich zum Ruhetremor und Haltetremor. Die Betroffenen sind daher stark durch das Zittern eingeschränkt.

Stress als Verstärker

Stress wirkt sich als Verstärker des Tremors aus.

Das gilt sowohl für unerfreulichen Stress (=Distress) als auch für erfreulichen Stress (=Eustress).

In stressigen Situation zittern die Betroffenen meistens erheblich stärker als wenn sie entspannt sind.

Solch ein Stress tritt häufig schon dadurch auf, dass sich der Betroffene in der Öffentlichkeit aufhält. Daher meiden viele Parkinson-Kranke zwischenmenschliche Kontakte und den Gang in die Öffentlichkeit.

Um unnötigen Stress zu vermeiden, ist es wichtig, Parkinson-Patienten ein entspanntes Leben zu ermöglichen.

Auf der anderen Seite ist es jedoch auch wichtig, dass sich der Betroffene viel bewegt und erfreuliche menschliche Kontakte hat.

Pillendreher-Tremor

Die Handbewegung beim Zittern sieht bei Parkinson-Patienten häufig aus als würden sie Münzen zählen oder Pillen drehen.

Daher wird diese Art des Tremors auch Pillendreher-Tremor genannt.

Bei dieser Art des Tremors werden Zeigefinger und Daumen aneinander gerieben.

Tremor anderer Körperteile

Nicht nur die Hände sind vom parkinsontypischen Tremor betroffen, obwohl sie meistens die ersten zitternden Körperteile sind.

Auch der Mund, die Augenlider und die Füsse können vom Zittern betroffen sein.

Untypisch für Parkinson ist jedoch ein Tremor des ganzen Kopfes, der wie eine Nein-Bewegung aussieht. Bei einem solchen Tremor sollte man an andere Ursachen denken.

Posturale Instabilität = Haltungsinstabilität

Die Haltungsinstabilität als viertes Kardinalsymptom der Parkinson-Erkrankung ist im wesentlichen eine Kombination aus der Akinese und dem Rigor.

Hinzu kommen Probleme mit dem Gleichgewicht.

Das Gleichgewicht kann nicht mehr zuverlässig gehalten werden, weil die vielen Muskelbewegungen, die zum Aufrechterhaltung der Stabilität nötig sind, nicht mehr schnell genug funktionieren.

Als gesunder Mensch ist man sich meistens überhaupt nicht bewusst, wieviele feine und schnelle Muskelbewegungen nötig sind, um aufrecht zu stehen oder auch nur zu sitzen.

Durch die Haltungsinstabilität bei Parkinson wird die Unsicherheit beim Gehen noch verstärkt.

Es kommt häufig zu Stürzen.

Auch wenn ein Parkinson-Patient beispielsweise von seinem Arzt an den Schultern nach hinten gezogen wird, kann er häufig nicht das Gleichgewicht halten und fällt nach hinten um.

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